Bereits in den 1930er Jahren wurden Polymerbindemittel zur Verbesserung der Mörteleigenschaften eingesetzt. Nachdem die Polymerlotion erfolgreich auf den Markt gebracht worden war, entwickelte Walker das Sprühtrocknungsverfahren, das die Bereitstellung der Lotion in Form von Gummipulver ermöglichte und damit den Beginn der Ära der polymermodifizierten Trockenmörtel markierte.
Seit über 100 Jahren werden Keramikfliesen als Wand- und Bodenbelag verwendet. Heute sind sie aus der Dekoration nicht mehr wegzudenken. Fliesen in verschiedenen Größen, Mustern und Qualitäten sind allgegenwärtig. Mit dem technologischen Fortschritt werden Keramikfliesen immer dichter und größer, was die Verlegung vor große Herausforderungen stellt. Wie man großformatige Keramikfliesen fester verklebt und eine dauerhafte Verlegesicherheit gewährleistet, ist zu einem wichtigen Thema in der modernen Inneneinrichtung geworden. Klebstoffe (wie Polymere) werden auf die Oberfläche der Keramikfliesen aufgetragen und bilden einen Benetzungszustand, der zu einem sehr geringen Molekülabstand zwischen den beiden führt. Dadurch entsteht an der Klebefläche eine starke intermolekulare Kraft, die den Klebstoff fest mit der Keramikfliese verbindet. Mit dem technologischen Fortschritt wird es jedoch immer schwieriger, bei den immer dichteren Keramikfliesen ausreichend Zwischenräume für eine mechanische Verzahnung zu schaffen. Die intermolekulare Bindung gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.
redispergierbares Latexpulver (RDPIn Mörtelprodukten bildet sich ein Polymernetzwerk, das Fliesen und Mörtel durch intermolekulare Kräfte verbindet. Selbst bei höherer Fliesendichte haften die Fliesen fest am Mörtel. Redispergierbares Latexpulver entsteht durch die Polymerisation von zwei oder mehr Polymeren und weist je nach Polymerzusammensetzung unterschiedliche Härtegrade auf. Bei hohen Temperaturen erweicht das Kautschukpulver aufgrund seiner Härte unterschiedlich stark. Je härter das Klebstoffpulver, desto geringer die Erweichung bei gleicher Temperatur und desto höher die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse bei hohen Temperaturen. Daher sollte bei der Auswahl von Klebstoffpulver für Keramikfliesen Wert auf hohe Härte gelegt werden, um eine dauerhafte Haftung auch bei hohen Temperaturen zu gewährleisten. Bei der Dünnschichtverlegung tragen die Verleger aus praktischen Gründen den Klebstoff vor dem eigentlichen Verlegen großflächig auf. Dabei bildet sich auf der freiliegenden Oberfläche durch Wind, Wasseraufnahme des Untergrunds sowie die Auflösung und Bewegung des inneren Celluloseethers eine Haut. Da die Benetzung entscheidend für eine feste Verbindung der Materialien ist, erschwert eine schwer aufbrechbare Kruste das Benetzen der Fliesenoberfläche durch den Fliesenkleber und beeinträchtigt somit die Haftfestigkeit. Die Wahl von redispergierbarem Latexpulver bietet den Vorteil, dass es aufgrund seiner Struktur einerseits die Wasserspeicherung verbessert und die Hydratation sowie die Hautbildung verzögert. Andererseits erhöht es die Haftkraft pro Flächeneinheit, sodass die Gesamthaftung auch bei reduzierter Infiltrationsfläche gewährleistet ist. Gleichzeitig ist die Wahl des geeigneten Celluloseethers von großer Bedeutung. Mit zunehmender Größe der Keramikfliesen steigt das Risiko von Hohlräumen und sogar von Ablösungen nach dem Verlegen. Dieses Problem hängt eng mit der Flexibilität des Bindemittels zusammen. Keramikfliesen weisen eine hohe Dichte und geringe Verformung auf, die Grundierung kann jedoch durch verschiedene äußere und innere Faktoren erheblichen Verformungen ausgesetzt sein. Der als Haftschicht verwendete Fliesenkleber muss daher die durch die Verformung entstehenden Spannungen aufnehmen können. Enthält der Keramikfliesenkleber kein oder nur wenig Klebstoffpulver, kann er die durch Verformungen verursachten Spannungen nur schwer aufnehmen, wodurch das gesamte Pflastersystem an den Schwachstellen allmählich abfällt und Hohlkörper entstehen.
Redispergierbares Latexpulver verleiht Fliesenklebern die Fähigkeit, sich an Belastungen und Verformungen anzupassen und verbessert so deren Flexibilität. In diesem System wird die Steifigkeit des Fliesenklebers hauptsächlich durch anorganische Materialien wie Zement und Sand gewährleistet, während das Kleberpulver für die Flexibilität sorgt. Das Polymer dringt in die Poren des Zementsteins ein und bildet ein Polymernetzwerk, das als elastische Verbindung zwischen den starren Komponenten dient und dem Kleber so Flexibilität verleiht. Bei Verformungen kann das Polymernetzwerk Spannungen absorbieren und so verhindern, dass die starren Komponenten reißen oder beschädigt werden. Daher ist die Verbesserung der Flexibilität von Klebstoffen entscheidend, um Hohlräume zu vermeiden. Eine angemessene Menge an Kleberpulver kann die Ausbildung einer Polymernetzwerkstruktur im Fliesenkleber verbessern.
Veröffentlichungsdatum: 08.08.2023





